Die Biografie von Rosa Chaba, verw. Mayer, geb. Weinstock, Beuthen
Kurzbiografie und Stationen ihrer Verfolgung
In den Verfahren von Rosa Chaba wird auch ausführlich auf das Schicksal ihres Ehemannes Moritz Mayers eingegangen, deshalb wird dieses auch hier mit beschrieben.
Biografische Angaben Rosa Chaba
- geboren 1898 in Wolbrom/Polen
- lebte bis 1919 in Beuthen, Oberschlesien
- lebte ab 1919 in Düsseldorf
- artbeitete als Kassiererin beim Kaufhaus Tietz und Fa. Guttmann, Grabenstrasse
- heiratet am 18.12.1922 Moritz Mayer und lebte in Ober-Olm
- zog 1927 oder 1928 nach Düsseldorf, Am Karlshof 23
- floh 1932 nach Saarbrücken zu ihrem Bruder
- floh 1938 nach Konskie zu ihrer Schwester
- 1939 Judenstern, 1940 Ghetto Konskie
- 1941-12/1942 geschlossenes Ghetto
- 12/1942-7/1944 ZAL Skarzysko-Kamienna
- 7/1944-16.1.1945 ZAL HASAG Tschenstochau
- 1945-1950 Polen,
- 1950 Emigration nach Israel
Biografische Angaben zu Moritz Mayer
- geboren am 23.12.1868 Ober-Olm bei Mainz
- Seine Eltern waren Benjamin Mayer und Amalie, geb. Gabriel
- Geschwister:
- Jakob Mayer, geboren um 1860 in Ober-Olm, ermordet in Ober-Olm. Dessen Ehefrau Bertha, geborene Wertheim wurde nach Theresienstadt deportiert, Schicksal unbekannt.
- Johanna Mayer, geboren um 1866 in Ober-Olm, deportiert nach Theresienstadt, Schicksal unbekannt.
- Inhaber eines Engros-Geschäftes für Hartgummi-Artikel
- 18.12.1922 Heirat
- 1927/1928 Umzug von Ober Olm nach Düsseldorf
- weiter Vertreter für Hartgummi-Artikel
- 1934 Stand im Kaufhaus Leonard Tietz, Düsseldorf
- letzte Adresse laut Auskunft Stadt Düsseldorf: Ulmenstrasse 187 (Jüdischer Friedhof?)
- 18./22.7.1942 Deportation nach Theresienstadt, Transport VII/1, nr. 564
- 21.9.1942 Deportation nach Treblinka, Transport Bp, nr. 1015 , Ermordung
Vor der Verfolgung
Ich bin in Beuthen O/S aufgewachsen und habe dort auch die Mittelschule besucht, in welcher der Unterricht in deutscher Sprache war. In meinem Elternhaus wurde nur deutsch gesprochen. 1919 übersiedelte ich mit meiner Familie nach Düsseldorf und habe in dieser Stadt im Jahre 1922 den deutschen Staatsangehörigen Moritz Meyer geheiratet. Bis zu meiner Heirat war ich Kassiererin bei Tietz und später habe ich in der gleichen Eigenschaft bei der Firma Guttmann in der Grabenstr. gearbeitet. Mein Mann war Inhaber eines Engrosgeschäftes für Gummiwaren, in dem er 2 Angestellte beschäftigte. Wir bewohnten am Karlshof eine sehr schöne Neubauwohnung, die gut bürgerlich eingerichtet war. Unser gemeinsames Einkommen betrug ca. RM 600,-- im Monat und wir konnten davon vollkommen sorgenfrei leben.
Eidesstattliche Erklärung Chaba Rosa, Tel-Aviv, 27.5.1962
Ich habe am 18.12.1922 in Düsseldorf die Ehe mit meinem umgekommenen 1. Ehemann Moritz MAYER geschlossen.
Er war zu jener Zeit bereits seit einigen Jahren Inhaber eines Engros-Geschäftes für Hartgummi-Artikel und beschäftigte auch Angestellte. Dieses Geschäft befand sich in seinem Geburtsamt Ober-Olm bei Mainz.
Später führte er sein Geschäft von unserer Wohnung aus, die sich Am Karlshof 23 befand. Er reiste selbst im Rheinland und beschäftigte auch Vertreter.
Eidesstattliche Erklärung von Rosa Chaba, Tel-Aviv, 6.5.1923
Ungefähr 1927/28 zogen wir von Ober-Olm nach Düsseldorf in einen Neubau Am Karlshof 23. Diese Wohnung bestand aus 2 Zimmern mit Küche und Nebengelass. Wir schafften uns damals neue Möbel an. Eine Aufstellung der Einrichtung und Einrichtungsgegenstände lege ich bei.
Als ich Düsseldorf verließ, blieb mein Ehemann Moritz Mayer in dieser Wohnung zurück.
Es ist anzunehmen, dass die Wohnungseinrichtung vor oder bei der Deportation im Stich gelassen, ober verschleudert werden musste.
Eidesstattliche Erklärung von Rosa Chaba, Tel-Aviv, 6.5.1963
Die Verfolgung in Deutschland
Bis zum Beginn der Verfolgungen war ich eine vollkommen gesunde, fröhliche Frau. Die Direktrice der Firma Guttmann, ein Frl. Hartmann war eine grosse Antisemitin und hatte mich öfters bedroht. Aus diesem Grunde gab ich die Stellung auf und fuhr Ende 1932 zu meinem Bruder nach Saarbrücken. Mein Mann wollte mir später nachkommen, jedoch gelang ihm die Ausreise nicht und 1938 erfuhr ich, dass man ihn verhaftet hatte. Ich habe ihn nie mehr wiedergesehen. Anschließend an diese schlechte Nachricht, die mir einen schweren Schock versetzt hatte, verliess ich Saarbrücken und fuhr zu meiner Schwester nach Kojnski.
Eidesstattliche Erklärung Rosa Chaba, Tel Aviv, 11.4.1962
Ich habe folgendes zu bemerken: Trotzdem ich im Jahre 1932 in Düsseldorf tätig war, wurde ich auf meinem seinerzeitigen Arbeitsplatz von zwei der Angestellten: Frl. Hartmann und die Aufsichtsangestellte (ich glaube, der Name war Boemann) in unflätigster Weise beschimpft und mit typisch antisemitischen Ausschreibungen bedroht.
In Saarbrücken, wohin ich floh, war ich als Flüchtling illegal.
Schreiben von Esther Jurmann an Konrad Kittl, 3.9.1972
Über die Verfolgung ihres Manns Moritz Mayer schreibt sie:
Schon 1932 wurde mein Ehemann Moritz MAYER unterwegs angepöbelt und sogar geschlagen. Aus diesem Grunde musste er seine Tätigkeit aufgeben und erhielt durch die Vermittlung von Direktor Schloss einen Stand für Gummiwaren bei der Firma Leonard TIETZ in Düsseldorf. Er führte dieses Stand meines Wissens nach in eigener Rechnung, und hatte ihn bis ungefähr 1934 inne.
Da ich selbst in Saarbrücken illegal lebte und von dort später nach Polen verschickt wurde, konnte ich mit meinem umgekommenen 1. Ehemann nur sehr spärliche, kurze Lebenszeichen austauschen. Ich weiss daher auch nicht, was er von ca. 1934 bis zu seiner Deportation am 21.7.1942 noch getan hat.
Eidesstattliche Erklärung Rosa Chaba, Tel Aviv, 6.5.1963
Aus einer Mitteilung des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes vom 25.5.1951 geht hervor, dass der Transport „Bp“ als Todestransport anzusehen ist, d.h., weniger als 10% der Verschickten sind zurückgekehrt.
Internationaler Suchdienst, Inhaftierungsbescheinigung, Arolsen 6. Juli 1959
Zur Erläuterung:
Bei diesem Dokument handelt es sich die Version 3 einer Karte aus der Transportkartei Theresienstadt. Hier wurde der ZU- und Abgang von Häftlingen dokumentiert.
Deportace na východ: Deportation nach dem Osten am 21.9.1942 mit dem Transport "BP" nach Treblinka, Nummer 1015 von 2020 auf der Liste der Deportierten.
Weitere Informationen siehe e-guide der Arolsen Archives.
Die Verfolgung in Polen
.Nach der Besetzung durch die Deutschen musste ich im Ghetto leben und schwere Zwangsarbeiten leisten, die oft weit über meine Kräfte ging. Da meine Nerven schon durch die Trennung von meinem Mann und die ewige Angst sehr angegriffen gewesen waren, wurde ich mit der zeit immer nervöser und bekam auch Herzbeschwerden.
1942 kam ich in das KZ Skarzisko-Kamiena und musste weiter schwerste Zwangsarbeiten leisten. Ich arbeitete nur ungenügend bekleidet und hatte oft Halsentzündungen und fiebrige Erkältungen. Trotzdem musste ich aber auch in krankem Zustand immer weiter arbeiten, da man mich sonst vernichtet hätte. Ich hatte rheumatische Schmerzen und habe sie noch bis heute, besonders in den Gelenken, Händen und Füssen. Durch die schlechte, vitaminlose Ernährung habe ich mir ein Magenleiden zugezogen, sodass ich immer Diät leben und Medikamente nehmen muss.
Eidesstattliche Erklärung Rosa Chaba, Tel Aviv, 11.4.1962
Nach dem Krieg
Nach der Befreiung in Polen und von dort direkt 1950 nach Israel ausgewandert.
Aktennotiz von Konrad Kittl, München,. 3.1.1966
Anmerkungen
Weitere Quellen
Zur Geschichte von Moritz Mayer:
- mappingthelives.org
- gedenkbuch-duesseldorf.de/
- Skript des Vortrags von Heribert Schmitt "Tag des Erinnerns: Das Leben der Juden in Ober-Olm", VHS Ober-Olm vom 05.11.2025
Entschädigungsamt
Saarbrücken, Aktenzeichen LEA III/9-2859-69
Düsseldorf
Anmerkungen
Rosa Chaba führte mehrere Entschädigungsverfahren durch:
- Schaden an Freiheit, Antrag 1957,. Bescheid 1958
- Schaden an Eigentum, Antrag 6.5.1963
- Schaden am beruflichen Fortkommen, undatiert
- Schaden an Körper oder Gesundheit, 11.4.1962
- Schaden am Leben, undatiert
Dementsprechend umfangreich ist auch der Akt.
Bildnachweis
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