Karte der Lager und KZs
Liste der Zwangsarbeitslager, in welchen die Antragstellerinnen und Antragsteller teilweise bereits Mitte 1940 arbeiten mussten:
Tschenstochau (51), Skarzysko-Kamienna (33), Plaszow (24), Pionki (8), Deblin (7), Blizyn (6), Radom (5), Mielec (5), Blechhammer (5), Piotrkow-Trybunalski (4), Klettendorf (4), Neustadt (3), Lublin (3), Lemberg (3), Krakau (3), Brande (3), Borki-Wielki (3), Tluste (2), Tarnopol (2), Szolnok (2), Szebnie (2), Rozanowka (2), Reichshof (2), Pustkow (2), Parzymiechy (2), Ottmuth (2), Lisowce (2), Landeshut (2), Krosno (2), Kielce (2), Großsarne (2), Geppersdorf (2), Faulbrück (2), Drohobycz (2), Bunzlau (2), Bolkenhain (2), Annaberg (2), Wilna-HKP 562 (2), Nowogrodek (2), Zwittau (1), Ziezmariai (1), Zaslow (1), Zagorze (1), Wolanow (1), Wilejka (1), Wiesau (1), Waldenburg (1), Szegedin (1), Strassburg (1), Starachowic (1), Stanislawow (1), Stalowa-Wola (1), St (1), Sosnowitz (1), Sopron (1), Seibersdorf (1), Schachendorf (1), Saybusch (1), Sakrau (1), Rzecmir (1), Riga (1), Rejowiec (1), Radomyśl (1), Prokoczyn (1), Ostrowiec (1), Ober-Altstadt (1), Nowogrodek (1), Neusalz (1), Nasze (1), Nagybanya (1), Munkacs (1), Miskolc (1), Miechow (1), Menzk (1), Markstädt (1), Malken) (1), Lockenhaus (1), Lichtenwörth (1), Leipzig (1), Langenbielau (1), Landsberg (1), Krychow (1), Krusznin (1), Kosicze (1), Komarom (1), Kleinmangerdorf (1), Klei (1), Kassel (1), Kamionka (1), Kaišiadorys (1), Jenisow (1), Jenischow (1), Jedlitze (1), Jaslo (1), Jaradow (1), Janow (1), Halbstadt (1), Gunz (1), Grünberg (1), Groeditz (1), Gogolin (1), Gabersdorf (1), Falkenberg (1), Dworzec (1), Dukla (1), Donnerskirchen (1), Demblin (1), Budzyn (1), Budapest (1), Brätz (1), Boryslaw (1), Bor (1), Biechow (1), Beuthen (1), Bernsdorf (1), Auenrode (1), Andrejew (1).
Liste der KZs und deren Außenlager, in welchen Antragstellerinnen und Antragsteller inhaftiert waren. Teilweise werden Lager in dieser und der vorherigen Liste erwähnt, da Zwangsarbeitslager oftmals als Außenlager von KZs übernommen wurden, z.B. Grünberg, Falkenberg:
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Auschwitz Stammlager und Außenlager (196): Althammer, Auschwitz II Birkenau, Blechhammer, Gleiwitz, Golleschau, Günthergrube, Hindenburg, Jawischowitz, Neu-Dachs (Jaworzno), Laurahuette, Auschwitz III Monowitz, Trzebinia, Zigeunerlager
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Buchenwald (93): Allendorf, Altenburg, Berga-Elster, Crawinkel, Elsnig, Holzen, Laura, Leipzig-Schoenefeld, Magdeburg, Markkleeberg, Meuselwitz, Neustadt, Niederorschel, Ohrdruf, Rehmsdorf, Schlieben, Sonneberg-West, Langenstein-Zwiberge
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Bergen-Belsen (82);
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Gross-Rosen und seine Nebenlager (78): Annaberg, Birnbaeumel, Bruennlitz, Bunzlau, Christianstadt, Doernhau, Falkenberg, Friedland, Fuenfteichen, Fuerstenstein, Gabersdorf, Gablonz, Georgenthal, Goerlitz, Grünberg, Hirschberg, Kaltwasser, Langenbielau, Ludwigsdorf, Maerzbachtal, Metzdorf,
Mittelstein, Neusalz, Ober-Altstadt, Parschnitz, Peterswaldau, Reichenbach, Waldenburg, Wolfsberg, Wuestegiersdorf, Zittau -
Stutthof (60): Argenau, Burggraben, Chinow, Doerbeck, Elbling, Freudendorf, Lauenburg, Malken, Masuriczyk, Praus, Praust, Sophienwald, Sophienwall, Stolp, Thorn, Truns
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Mauthausen (57): Ebensee, Gunskirchen, Gusen, Linz, Melk, St.Valentin
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Neuengamme und Außenlager (52): Ahlem, Aurich-Engerhafe, Braunschweig, Bremen-Hindenburgkaserne, Bremen-Obernheide, Fallersleben, Hamburg, Hamburg-Harburg, Hamburg-Langenhorn, Hamburg-Ochsenzoll, Hamburg-Sasel, Hamburg-Stülkenwerft,Hannover, Hannover-Mühlenberg, Helmstedt-Beendorf, Hildesheim, Lübecker Bucht, Salzwedel, Sandbostel, Uelzen, Vechelde, Watenstedt, Woebbelin
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Flossenbuerg (46): Ansbach, Freiberg, Gundelsdorf, Helmbrechts, Hersbruck, Hohenstein, Leitmeritz, Mehltheuer, Neunburg?, Nuernberg, Oederan, Regensburg, Siegmar-Schoenau, Willischthal, Zschachwitz, Zschopau
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Dachau (39): Allach, Burgau, Kaufering, Landsberg, Landshut, Mühldorf, Türkheim
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Plaszow (28): Mielec, Rakow, Wieliczka
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Ravensbrueck (26): Malchow, Neustadt-Glewe
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Majdanek (24): Blizyn, Budzyn, Radom
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Natzweiler (24): Buessingen, Dautmergen, Frommern, Geisenheim, Geislingen, Helfingen, Kolmar, Schoemberg, Vaihingen
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Vaivara (24): Ereda, Goldfields, Jewe, Kivioli, Lagedi, Viivikonna
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Theresienstadt (19)
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Sachsenhausen (18): Bernau, Haselhorst, Kleve, Koenigs-Wusterhausen, SS-Baubrigade-Offenburg
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Riga-Kaiserwald (14): Strasdenhof
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Mittelbau-Dora (11);
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Kaunas (8): Flughafen, Flugplatz, Kazlu-Ruda, Koschedaren, Linkaiciai
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Kolditschewo (4);
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Lemberg (3): Janowskastrasse
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Angerberg (1);
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Belzec (1);
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Deblin (1);
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Janikowo (1);
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Warschau (1);
Die Antragsteller und Antragstellerinnen schildern ihre Lage nach der Auflösung der Ghettos in Konzentrations- und Zwangsarbeitslagern. Sie beschreiben die Arbeiten, die sie auszuführen hatten, die Lebensbedingungen (mangelnde Ernährung und Bekleidung, Arbeitsunfälle, Misshandlungen aller Art, Ermordung von Mithäftlingen) und den Verlust von Angehörigen.
Zwangsarbeiten im Zwangsarbeitslager Krakau-Plaszow: Straßen- und Barackenbau (Mayer Brandsdorfer, Jura Lokaj, Jack Rosenberg), Buchbinderei „Geizhals“ (Chaja Bajz), Verladearbeiten (Henry Adler), Malerarbeiten (Samuel Altholz), Polsterei (Marcelli Bau), „Steine schleppen“ (Marcelli Bau), Uniformschneiderei (Dora Ganzweich, Lea Manne), SS Instandsetzungswerke (Leon Grün), Kürschnerei, Rüstungsindustrie (Max Hilfstein), Kanalisationsarbeiten (Jack Rosenberg), „Presser“/“Pressschweisser“ (Samuel Schanzer, Abraham Rimler), Kühlerfabrik (Tenenbaum), Paperverarbeitung (David Twersky), Aufräumarbeiten (Diana Dub). Mehr als 40 Antragsteller*innen befanden sich in Krakau-Plaszow.
Zwangsarbeiten in Auschwitz: Fischteiche anlegen (Samuel Lazar), als Elektriker (Joe Schlesinger), in der Wäscherei (Samuel Tandlich), in der Gärtnerei (Moniek Dymant), Küche (Rose Weiss), bei Drainagearbeiten (Chana Bajz), beim "Schuhkommando" (Sara Lerman), bei Verladearbeiten (Samuel Tandlich), Gerätebau (Boris Piekny), Strassenbau/Erdarbeiten (Sarah Wieder), Flachs binden (Sarah Wieder).
HASAG: 34 Antragstellerinnen und Antragsteller arbeiteten in verschiedenen Rüstungswerken der Hugo Schneider AG (HASAG) in Tschenstochau, Skarżysko-Kamienna, Leipzig, Schlieben.
Folgende Zwangsarbeiten wurden erwähnt:
- Die Antragsteller*innen wurden eingesetzt bei/in Aufräumarbeiten (nach Bombardierungen), Fabrikarbeiten (Kühlerbau, Elektrische Geräte), Reparaturarbeiten (Eisenbahn), Reinigungsarbeiten (Straßenreinigung, Schnee schaufeln), Verladearbeiten, landwirtschaftliche Arbeiten (Feldarbeiten, Waldarbeiten, Torfstechen, Sägewerk), Bauarbeiten (Baracken, Krematorium Majdanek, Bunker, Schützengräben, Panzergräben, Flugplatz ), Flussregulierungsarbeiten, Munitionsproduktion, Sprengstoffproduktion, Waffenproduktion, Flugzeugbau, Autobahn-/Straßenbau, Tunnelbau, Eisenbahnbau, Bergbau (Kohle, Kupfer, Salz, Ölschiefer), Steinbruch, Ziegelei
- Sie arbeiteten als Schlosser, Buchhalter, Elektriker, Haushalts-/Küchenhilfe, Kürschner, Tischler, Mechaniker, Schneider, Wäscher, Sattler, Stricker, Weber, Buchbinder, Bauarbeiter, Schweißer, Gerber.
Aussagen von Antragstellern
Bassia B.
geboren am 10.12.1929 in Smorgon/Polen als Bassia L., Aussage von 1964
Biografie: Sommer 1941 bis Sommer 1942 Ghetto Smorgon (englisch), Sommer 1942 bis Sommer 1944 Ghetto Kaunas, KZ Kaunas/Koschedaren („ Koscheday“), KZ Kaunas/Flughafen, KZ Kaunas/Kazlu-Ruda, („Koslowa Ruda“), Sommer 1944 KZ Stutthof/Truns
Im Gefangenenlager Kowno, als ich am Flughafen arbeitete - dies war ein Straflager -erlitt ich unter anderen Misshandlungen folgendes. Ein Lagerführer schüttete einen Teekessel mit kochendem Wasser, aus Sadismus auf mich. Das kochende Wasser traf meinen rechten Fuß, ich erlitt Brandwunden. Narben auf diesem Fuß sind noch heute Zeugen für diese Misshandlung.
Der ersten Kinderaktion in Kowno entging ich, weil ich an jenem Tag im Arbeitslager war. In Stutthof wurden wieder 'Kinderaktionen' gemacht und anlässlich einer solchen gelang es mir zu entfliehen, die Frauen versteckten mich auf einem Dach. Dorthin brachte man mir von den spärlichen Brotrationen, je ein Stückchen Brot. Ich musste aber doch hinuntergehen, wurde gefasst. Der KAPO fragte mich ob ich Schläge oder Gaskammer vorziehe. Ich wurde erbärmlich geschlagen und behielt Wunden am unteren Rückenteil, für welche heute noch bestehende Narben Zeugen sind.
Elena Sidonia Brach
geboren am 27.3.1921 in Rodna/Rumänien, gestorben am 28.1.1966, Aussage um 1965
Biografie: 4/1944 bis 5/1944 Judenstern Oradna/Ghetto Oradna, KZ Auschwitz, KZ Riga , KZ Stutthof, 7/1944 bis 8/1944 KZ Stutthof/Außenlager Thorn/Nebenlager Argenau, 8/44 bis 1/45 4 KZ Stutthof/Außanlager Thorn
Als die Nazis meine Heimat besetzten, begann mein Leidensweg. Nach wenigen Wochen im Ghetto schleppte man mich in das KZ Auschwitz. Hier wurde mein kleiner Sohn von mir weggerissen und ermordet. Desgleichen hat man meinen Ehemann, meine fünf Brüder und meine Eltern in die Gaskammern geschickt. Ich blieb alleine zurück. Auch ich erwartete in die Gaskammern geschickt zu werden. Als ich nach Auschwitz kam, war ich schwanger. Man konnte mir noch nichts ansehen. Wenig später schleppte man mich noch in das KZ Riga. Ich wurde zu schwersten Zwangsarbeiten herangezogen trotz meines Zustandes, den ich natürlich nicht bekannt geben konnte. Jeder Appell war eine entsetzliche Sache. Es wurden ständig Aufrufe gemacht, dass sich Schwangere melden sollten. Von Riga aus kamen wir nach Windau und Stutthof, Argenau und Thorn.
Hier fand ein Wachtposten heraus, dass ich schwanger war. Man konnte es inzwischen schon sehen und ich sollte zurück nach Stutthof. Irgendwie gelang es mir, dieser Aussiedlung zu entkommen. Außerdem näherten sich die Russen. Ich war damals mit litauischen Häftlingen zusammen. Im Januar 1944 (Anm.: Wahrscheinlich Schreibfehler, es muss 1945 sein) brachte ich eine Tochter zur Welt in einem Zelt. Die Blockälteste sagte: 'Wir sollten das Kind behalten'. Ich bin am zweiten Tag nach der Geburt wieder arbeiten gegangen. Ich habe an die Zeit kaum noch Erinnerung, da ich physisch und psychisch in einem furchtbaren Zustand war. Mein Baby war ein Mädchen, sie kam um.
Eugen Brach
geboren am 28.6.1917 in Baiamare/Rumänien
Biografie: 1942 Zwangsarbeit (ungarische Arbeitskompanien), Frühjahr 1944 KZ Auschwitz, KZ Warschau, KZ Dachau, KZ Dachau/Mühldorf. Kam 1944 nach Auschwitz, wo seine Frau und sein "Töchterchen“ ermordet wurden, anschließend zu Aufräumarbeiten ins Warschauer Ghetto.
Von Warschau aus trieb man mich in das KZ Dachau und das KZ Mühldorf. Hier hatte ich trotz meines bereits schlechten Gesundheitszustandes Zementsäcke zu schleppen. Als man mich einmal zu einer Nachtschicht holen wollte und ich so schwach war, dass ich glaubte das nicht durchhalten zu können, stellte ich mich schlafend. Man entdeckte dies und ich wurde grausam bestraft. Man zwang mich bei bitterster Winterkälte nackt zu arbeiten für 24 Stunden. Nach diesen 24 Stunden wurde ich zusammengeschlagen . . . Wenig später wurde eine Selektion durchgeführt. Da ich nur noch der Schatten eines Menschen war, konnte ich nicht lange gerade stehen und man schlug mich wiederum zusammen. Überlebt habe ich nur, weil einer der Lagerärzte sagte, es war ein Doktor aus Munkacz, es sei ein Verrückter und ich müsse in das Invalidenlager. Im Invalidenlager hatte ich als Totengräber zuarbeiten. Von allen, die damals in dieses Lager verschleppt wurden – es waren 1050 – sind noch 270 am Leben geblieben.
Mayer Brandsdorfer
geboren am 15. 5. 1915 in Chrzanow, Gutachten 1966
Biografie: 15.5.1915 Chrzanow. -1939 Bäcker, 1940 Zwangsarbeit, 1940 Zwangsarbeitslager Klei/Bochnia, 3/1942 Zwangsarbeitslager Krakau-Plaszow, Ende 1944 KZ Groß Rosen/Außenlager Langenbielau, 2/1945 Flucht (bei Wasserburg versteckt), 4/1945 Befreiung, aus einem Gutachten von Herman O. Pineas, New York
"(Er kam) von dort im März 1942 ins KZ Krakau-Plaszow. Als ein Häftling von dort geflüchtet war, wurde zur Strafe vor den Augen aller Inhaftierten jeder zehnte erschossen, unter ihnen ein älterer Bruder des Kl(ienten)."
Max Czuper
geboren am 1.1.1910 in Dobromil, Aussage um 1964 (Antragsdatum)
Biografie: 2.1.1913 Berlin, 1916-1921 Jüdische Mittelschule Berlin (Grosse Hamburger Strasse), 1924-1926/7 Lehrling in der Kürschnerei Brandstatter & Kuples (Spittelmarkt)/Max Tiger (Friedrichstrasse), 1927-1931 Fa. Wundheiler (Alte Schönhauserstrasse), 1931-1933 Geselle bei Efraim Soneumann (Kronstrasse), 1933 selbständig. 1938 Deportation nach Polen. 1940-Anfang 1941 Krakau - Zwangsarbeit f. Wehrmacht, 1./2. 1941-17.7.1942 Zwangsarbeitslager Radomischl (vermutlich Radomyśl Wielki bei Mielec), 18.7.1942-7.7.1944 Zwangsarbeitslager Mielec, 1 Monat Zwangsarbeitslager Plaszow/Wielicka, 10.8.1944-26.8.1944 KZ Mauthausen - Häftlingsnummer Nr. 86431, 28.8.1944-4/1945 KZ Mauthausen/Außenlager Melk ("Quarz"), 4/1945-6.5.1945 KZ Mauthausen/Außenlager Ebensee. Berichtet über Misshandlungen in Mielec.
Im Jahre 1940 hatte ich eine kleine Tochter bekommen. Ich habe sie, als auch meine Frau, nie wieder gesehen und erst später erfahren, dass sie in Auschwitz umgebracht worden sind. Ich kam dann in das Konzentrationslager Mielec, wo ich eine wahre Hölle zu ertragen hatte. Unsere Behandlung war außergewöhnlich brutal. Ich hatte in den Flugzeugwerken zu arbeiten. Ich litt unter ständigen Dysentherien und habe mich oft mit Fieber zur Arbeit geschleppt. Es verging kein Tag, an dem ich nicht geschlagen wurde. Eines Tages, als ein Wachtposten mit meiner Arbeit nicht zufrieden war, schlug er mich brutal zusammen, Bei dieser Misshandlung wurden mir Zähne ausgeschlagen.
Henry E.
geboren am 28.1.1932 in Deblin/Polen, Aussage von 1964
Biografie: bis 23.7.1944 Ghetto Deblin/Zwangsarbeitslager Deblin Flugplatz, 7/1944-15.1.1945 ZAL Tschenstochau/Rakow (HASAG), 1/1945 -4/1945 KZ Buchenwald (Steine tragen, Aufräumarbeiten Weimar), KZ Theresienstadt, 8.5.1945 Befreiung
Im Jahre 1941 wurden wir alle ins Ghetto eingeliefert, wo wir in einem Zimmer mit 15 bis 20 Menschen in Schmutz und Hunger gelebt haben. 1942 wurden meine Eltern bei einer Aktion in das Vernichtungslager Treblinka weggeschleppt und ich als 10-jähriges Kind bin ohne Eltern und Familie geblieben. Da ich aber schon sehr groß und stark gewachsen war, gab ich mich für älter aus und bin dann in Demblin ins Arbeitslager eingeliefert worden. Dort habe ich auf dem Fluggelände verschiedene schwere Arbeiten leisten müssen und dies bei sehr mangelnder Bekleidung und wenig zu essen. Auch wurde ich oft bei der Arbeit geschlagen. Von Demblin ging es dann im Jahre 1944 weiter nach Czenstochow-Hassak. Dort musste ich als Kind, aus Angst, nicht erschossen zu werden in der Eisenindustrie. Ich wurde dort bei der Arbeit mehrere Male von den Aufsehern mit dem Gewehrkolben über den Kopf geschlagen, manchmal bis zur Bewusstlosigkeit. Von diesen Schlägen bekam ich furchtbare Kopfschmerzen und da wir nur geringe und schlechte Nahrung bekamen, bekam ich auch eine Vergiftung davon. Heute leide ich noch unter ständigen Kopfschmerzen. Als sich im Januar 1945 die russische Armee näherte, wurden wir alle zusammengetrieben und in Viehwagons eingeladen und nach Buchenwald abtransportiert. Dies dauerte mehrere Tage und viele Menschen sind den Hungertod gestorben, denn wir bekamen nichts zu Essen und zu Trinken. Als wir in Buchenwald ankamen mussten wir und auch ich gleich wieder schwer arbeiten und bei der Arbeit nur schikaniert, denn an einem Tag trugen wir schwere Steine an einem Ort und dem nächsten Tag mussten wir diese wieder zurücktragen. Wir mussten auch in Weimar die Straßen von den Trümmern räumen. Von Buchenwald wurden wir im April 1945 nach Theresienstadt abtransportiert, denn es näherten sich auch hier die Alliierten. Bis wir endlich in Theresienstadt ankamen vergingen 4 Wochen, jedoch wurde nur Nahrung für wenige Tage mitgenommen, sodass auf diesem Transport auch wieder viele den Hungerstod starben. Von Buchenwald sind wir ungefähr 5500 Menschen auf den Transport gekommen, jedoch als wir in Theresienstadt ankamen waren wir nur noch 1500 Menschen. Ich selbst war nur noch ein Skelett und war ganz krank und erschöpft.
Moritz F.
geboren am 8.11.1926 in Usherod/CSR
Biografie: 23.3.1944 Judenstern, 4/44-5/44 Ghetto Ushgorod, 5/1944-6/1944 KZ Auschwitz, KZ Groß Rosen/Außenlager Wüestegiersdorf/Unterkommando Dörnhau (Bauarbeiten), 6/1944-5/1945 KZ Groß Rosen/Außenlager Wüstegiersdorf/Nebenlager Märzbachtal (Projekt "Riese"), KZ Groß Rosen/Außenlager Fürstenstein (Projekt "Riese"). (siehe deutschland-ein-denkmal.de, Nebenlager des KZ Groß Rosen)
Als nächstens wurden wir in Viehwaggons getrieben und nach Auschwitz abtransportiert. Meine Eltern und 5 meiner Geschwister wurden in die Gaskammern geschickt. Ich selbst wurde noch für kräftig genug befunden, um für die Nazis zu arbeiten. Wir wurden hier bald bei den Appellen, die wir täglich mitmachen mussten, furchtbar geschlagen. Ich blieb nur für kurze Zeit in Auschwitz und kam dann in das KZ-Dornau. Hier hatte ich schwersten physischen Zwangsarbeiten, insbesondere Bauarbeiten zu leisten. Später kam ich dann in die Kohlegruben. In dieser Zeit war ich schon ziemlich herabgekommen. Ich zitterte am ganzen Körper vor Angst, umgebracht zu werden. Eines Tages, beim Essen holen wurde ich von einem SS-Mann mit einem Stock brutal, bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen. Ich weiß nicht, wie ich es damals überlebt habe. Sobald ich mich wieder bewegen konnte, schleppte ich mich weiter zur Arbeit. Später kam ich in das KZ-Fürstenstein, hier hatte ich in den Kohlegruben zu arbeiten. Es war unbeschreiblich, unter welchen Verhältnissen wir arbeiten mussten. Wir hatten nicht ausreichende Kleidung, wir hatten kaum etwas zu essen und wir hatten täglich Schikanen zu ertragen. Ich magerte hier zu einem Skelett ab und hatte furchtbare Schmerzen im ganzen Körper. Im KZ-Märzbachtal passierte es noch, dass wir eines Tages, als wir vollkommen erschöpft von der Arbeit heim kamen, antreten mussten und zusehen mussten, wie 2 unserer Mithäftlinge erhangen wurden. Aber das war nicht die einzige Scene, es kam sehr oft vor, dass ich mit ansehen musste, wie Mithäftlinge ermordet wurden.
Golda Feuerstein
geboren am 10.12.1922 in Novodavigkova/CSR, Aussage undatiert (1964?)
Biografie: 1944 Ghetto Munkacz, KZ Auschwitz, KZ Stutthof, 1945 KZ Stutthof/Außenlager Praust
Kam aus dem Ghetto Munkacz nach Auschwitz, dort wurden ihre Eltern und 11 ihrer Geschwister ermordet. Von da nach Stutthof und weiter nach Praust
Ich wurde damals krank. Als das Fieber sehr hoch war, konnte ich, obgleich ich mit allen Kräften zwang, nicht mehr aufstehen. Kam ein Kapo und schlug mich mit einem Stock brutal am ganzen Körper. Ich hatte blutende Wunden an meinen rechten Oberschenkel und an meinen rechten Arm. Ich erhielt natürlich keine ärztliche Hilfe. Einige meiner Leidensgenossen hatten meine Wunden mit braunem Packpapier und Zementsäcken verbunden. Es ist ein Wunder, dass ich damals überhaupt am Leben blieb.
Ludwig Friedman
geboren am 30.11.1924 in Sevlus/CSR
Biografie: 16.4.1944 bis 13.7.1944 Ghetto Sevlus, KZ Auschwitz, KZ Groß Rosen/Außenlager Hirschberg, KZ Groß Rosen/Außenlager Bunzlau, KZ Buchenwald/Außenlager Mittelbau Dora, KZ Mittelbau Dora /Außenlager Ellrich, KZ Bergen-Belsen
Vor Ausbruch der Verfolgungsmaßnahmen lebte ich mit meiner Familie in Sevlus. Ich erfreute mich eines guten Gesundheitszustandes. Nach Abschluss der Elementarschule sandten mich meine Eltern in eine Talmudschule, da ich Rabbiner werden sollte.
Unmittelbar nach der Besetzung meiner Heimat begann mein Leidensweg. Man vertrieb uns aus unserem Haus und brachte uns in das Ghetto. Hier lebten wir einige Wochen unter den drückendsten Verhältnissen. Vom Ghetto aus kamen wir nach einigen Wochen in das Konzentrationslager Auschwitz.
Schon die Fahrt dorthin war die Hölle.
Als wir ankamen, hat man meine Eltern, vier meiner Schwestern und drei Brüder sofort selektiert und in die Gaskammern geschickt. Mich selbst lies man mit anderen Mitgefangenen für 36 Stunden in einer Baracke einschließen. In dieser Zeit erhielten wir kein Essen. Dann trieb man uns zu einem Appell. Viele meiner Mithäftlinge kamen schon in diesen ersten Tagen um.
Ich selbst wurde nach Hirschberg deportiert, wo ich Zwangsarbeit verrichten musste. Ich hatte hier Holz zu stapeln und wurde oft misshandelt. Ein deutscher Wachtposten, der mit uns Mitleid hatte, gab mir und sechs meiner Mitgefangenen, für die ich eigentlich der Vorarbeiter war, einmal ein Brot und eine Wurst.
Als man uns zur Außenarbeit führte, entdeckte dies ein Wächter. Und wollte unbedingt wissen, von wem ich es erhalten habe. Da ich den Wächter nicht verraten konnte, misshandelte man mich auf brutale Weise. Ich wurde ich ein Loch mit kaltem Wasser gestellt und man spritzte mit Schläuchen in das Loch soviel Wasser, dass ich fast ertrank. Dann nahm man mich halb ohnmächtig heraus, riss mir meine Nägel von den Füßen und Händen. Als ich nahe daran war ohnmächtig zu werden, schrie ich mit letzter Kraft „wenn mir ein Deutscher das Brot gegeben hat, so darf ich ihn doch nicht verraten“. Daraufhin lies man von mir ab und Mithäftlinge schleppten mich in die Baracke zurück.
Später trieb man mich in das Konzentrationslager Bunzlau. In diesem Konzentrationslager hatte ich für die Firma Hubertland beim Barackenbau zu arbeiten. Trotz meines abgeschwächten Gesundheitszustandes verlangte man 12 stündige Arbeit täglich. Ich war gesundheitlich sehr heruntergekommen und zitterte jeden Moment um mein Leben.
Von diesem Konzentrationslager aus trieb man uns auf den sog. Vernichtungsmarsch. Ich kam durch die Konzentrationslager Dora, Ellich und endlich nach Bergen-Belsen. Ich kann nicht genau angeben, wie lange wir unterwegs waren. In dieser Zeit war ich kaum als menschliches Wesen zu bezeichnen.
In Bergen-Belsen erkrankte ich an einem Typhusfieber und lag im Delirium, als ich befreit wurde. Ich wurde damals sofort durch Ärzte des Roten Kreuzes in ein provisorisches Hospital gebracht.
Abram Gelbart
geboren am 19.12.1910 in Tschenstochau, Aussage von 1967
Biografie: Ghetto Tschenstochau, Zwangsarbeitslager HASAG Tschenstochau, 17.1.1945 KZ Buchenwald - Häftlingsnummer 114486, KZ Buchenwald/Außenlager Saalfeld ("Laura"), 13.4.1945 KZ Dachau, Todesmarsch, Befreiung bei Staltach. Feldafing, Biberach, Tutzing, Stuttgart, Israel. Antwort vom 7.6.1967 auf einen Beweisbeschluß vom 11.5.1967 des Oberlandesgerichts Stuttgart.
Ich musste im Ghetto Czenstochau und in der Munitionsfabrik Hassag Pelcery schwerste, meine Kräfte weit übersteigende Zwangsarbeiten leisten. Dies beim Ab- und Aufladen von Kohle, Steinen und andere verschiedene schwere Arbeiten. In der Munitionsfabrik Hassag Pelcery musste ich 12 Stunden, Tag- oder Nachtschicht, schwer arbeiten.
Ich musste Salzsäure handhaben, ohne erforderliche Schutzmassnahmen. Die erstmals erhaltenen Handschuhe und Schuhe wurden von der Salzsäure aufgefressen, gelocht. Ich hatte Ausschläge, mit Eiterwunden, die Säure kam auf diese Wunde, brannte sie noch mehr aus, die Schmerzen waren unerträglich, ich musste weiter arbeiten. Auf den Armen und Füssen sind heute noch heute Narben von schlecht verheilte Brandwunden zu sehen.
Gleich nach Einmarsch der Deutschen, war ich Augenzeuge, wie mein jüngerer Bruder Jakob, zusammen mit anderen 62 Juden - mein Bruder war 20 Jahre alt - erschossen wurde. Meine Mutter wurde von Czenstochau nach Treblinka abtransportiert sie ist dort umgekommen. Meine anderen Geschwister, die in Klobuck - nur ca. 17 km von Czenstochau entfernt, wurden abtransportiert und sind umgekommen. (Teil in Treblinka, Teil in Auschwitz). Meine erste Ehefrau, mit meiner Tochter von 11 Jahren, wurde nach Treblinka abtransportiert, zusammen mit meiner Mutter. Meine Frau war schwanger im 9 Monat. Sie sind alle umgekommen.
Eine fürchterliche Erschütterung erlitt ich, als ich einmal zusammen mit anderen 300 Häftlingen, zum Erschiessen genommen wurde. Ich entkam dem sicheren Tod dadurch, dass mein Meister-Aufseher, ich glaube zu wissen, dass er Niziolek geheissen hat, mich von der Menge herausholte, weil ich ein guter Arbeiter war und er mich gebraucht hatte.
Izak Jakubowicz
geboren am 26.11.1924 in Bilky/CSR, Aussage undatiert.
Biografie: 4/1944 Ghetto Berehovo, Zwangsarbeitslager Schachendorf, 2/1945 KZ Mauthausen. 1945-1949 Displaced Person Camp Kassel-Mönchsberg, USA
Vom Ghetto (Berehovo) aus schleppte man mich in das KZ Lager Schachendorf. Während man meine ganze Familie nach Auschwitz deportierte. Wie ich später erfuhr, hat man dort sofort nach der Ankunft meine Eltern und vier meiner Geschwistern umgebracht. Ich selbst wurde in Schachendorf zu schwersten Zwangsarbeiten herangenommen. Ich hatte am Bunkerbau mitzuarbeiten. Da unsere Ernährung sehr schlecht war, schwächte ich ab und konnte nicht mehr richtig arbeiten.
Berichtet weiter von Erkrankungen, dem Marsch nach Mauthausen im Februar 1945 und dem Schicksal anderer Mithäftlinge auf diesem Marsch:
Der Weg war ein einziger Todesmarsch. Unsere Kleidung bestand aus einigen zerlumpten Fetzen, Schuhe hatten wir keine und wir mussten die ganze Strecke laufen. Zu essen erhielten wir überhaupt nichts. . . . Tagtäglich starben viele meiner Leidensgenossen oder brachen zusammen und wurden einfach erschossen.
Er berichtet weiter über seine Arbeit in Mauthausen, das Einsammeln und Beerdigen von Verstorbenen.
John K.
geboren am 9.10.1930 in Dzialoszyce bei Krakau als Jankel K., Aussage vom 28.2.1957
Biografie: 11/1939-Herbst 1942 Ghetto Dzialoszyce, Herbst 1942 - 10/1943 Zwangsarbeitslager Krakau-Plaszow, 10/1943-7/1944 Heinrichshütte (Anm.: Kielce-Henrykow), KZ Auschwitz-Birkenau, 8/1944-1/1945 KZ Auschwitz/Arbeitslager Trzebinia, KZ Sachsenhausen, KZ Bergen-Belsen, 2/1945-4/1945 KZ Neuengamme/Außenlager Hamburg-Stuelkenwerft, 4/1945 KZ Neuengamme/Außenlager Sandbostel, 28.4.1945 Befreiung
Ich arbeitete beim Bau in Krakau-Plaszow, Kielce-Hendrikow (Kielce-Henrykow), Trzebinia. Ich musste schwerste Steine, Ziegel, Holz, Betonstücke etc schleppen, wurde zum Betonrühren verwendet usw. Bei den Zwangsarbeiten wurde ich sehr viel misshandelt und dabei häufig auch auf den Kopf geschlagen. Eine ganz besonders schwere Misshandlung habe ich gegen Ende des Jahres 1942 im KL Krakau-Plaszow erlitten. Ich arbeitete gerade bei der Bahn und half beim Schienenlegen, musste Holz, Geleise usw. schleppen.
Damals wurde ich von einem SS-Wachmann mit einem Holzstock über den Kopf (Narben sind noch zu sehen) so geschlagen, dass ich blutend und bewusstlos hinfiel. Ich kam in das Lazarett, wo ich einige Tage wegen schwerer Kopfschmerzen und Gedächtnisschwund verblieb.
Rudolf Klepfisz
geboren am 10.5.1921 in Krakau, Aussage 1966
Biografie: Sohn eines Faßgroßhändlers, 1936-1939 Sosnowitz (Gymnasium),1940-12/1943 Ghetto Sosnowitz/Arbeitslager Sosnowitz-Schrodula, 1944 Auschwitz (Nr. 169167), 1944 KZ Auschwitz-Günthergrube, 8/1944-12/1944 KZ Buchenwald (Nr. 124168), 1/1945-4/1945 KZ Buchenwald/Außenlager Langenstein-Zwiberge
Anmerkung: Die Angaben hier basieren auf Angaben in Haft-Bescheid.
Bei der Liquidation des Lagers Srodula schleppte man mich in das KZ Lager Auschwitz. Hier hat man mir die Nummer 6167176 eingebrannt. Ich verlor in Auschwitz auch meine geliebten Eltern und meinen Bruder. Ich war allen Qualen dieses Vernichtungslagers ausgesetzt.
Von Birkenau schleppte man mich in das Aussenlager Günthergrube, wo ich unter Tage arbeiten musste. Wir bekamen kaum etwas zu essen, hatten täglich mehr als zwölf Stunden unter den elendsten Bedingungen zu arbeiten. Unsere Nahrung war vitaminlos und schlecht. Wir waren jedem Wetter ohne ausreichende Kleidung ausgesetzt. Unter diesen Bedingungen begann ich bald zu kränkeln. Ich litt unter ständigen Erkältungen, Halsentzündungen, wagte aber nicht, mich krank zu melden, da die Kranken ständig vernichtet wurden. Von hier aus schleppte man mich in das Lager Buchenwald. Hier hatte ich nicht zu arbeiten, man lies uns aber auch praktisch ohne Essen.
Dann kam ich nach Zwiberge, wo ich in dem Hermann-Goering-Werken arbeiten musste. Zu diesem Zeitpunkt war ich ein einziges Wrack. Ich hatte beim Tunnelbau mitzuarbeiten und war kaum oft in der Lage, mich auf den Füßen zu halten. Ich wurde mit Schlägen vorangetrieben. Täglich wurde ich Zeuge vom Sterben meiner Mithäftlinge. Etwa eine Woche vor meiner Befreiung verlor ich mein Bewusstsein und kam erst wieder zu mir, als mich die Ärzte in ein Hospital brachten.
Anmerkung: Bei der Häflingsnummer muß es sich um einen Übertragungsfehler handeln.
Lilli M.
geboren am 18. 3. 1929 in Munkacs/CSR als Lili Berger, Aussage undatiert
Biografie: 12/1943-15.4.1944 Ghetto Munkacz, 15.4.1944-30.5.1944 Ziegelfabrik Munkacz, 30.5.1944-25.7.1944 KZ Auschwitz, 25.7.1944-2/1945(?) KZ Groß Rosen/Außenlager Christianstadt/Brandenburg, 2/1945-15.4.1945 KZ Bergen-Belsen. Schweden, USA.
Die Nazis besetzten meine Heimat im Frühjahr 1944 und damit begann der Leidensweg. Als erstes schleppte man mich mit meiner Familie in das Ghetto Munkacz, wo wir einige Wochen verblieben. Dann schleppte man uns mit einem Viehzug in das KZ Lager Auschwitz. Hier wurden meine Eltern, meine zwei Brüder und eine Schwester von mir weggerissen. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass man sie in die Gaskammern geschickt hat. Es war ein entsetzlicher Schock für mich. Ich blieb in diesem Vernichtungslager einige Wochen. Einer richtigen Zwangsarbeit wurde ich nicht zugeteilt, sondern hatte wie viele anderen stundenlang Appelle zu stehen, musste hungern und wurde zu Schikanearbeiten heran genommen. Von Auschwitz aus schleppte man mich in das KZ Lager Christianstadt b. Brandenburg. Trotz meines zarten Alters – ich war ein fünfzehnjaehriges Mädchen – hatte ich schwerste Bau- und Waldarbeiten zu verrichten. Bei der Arbeit wurde ich ständig geschlagen, wenn ich nicht schnell genug arbeitete.
Chana Reichman
geboren am 1.1.1920 in Skarzysko/Polen als Chana Pelecka, Aussage um 1963 (Antragsdatum)
Biografie: 9/1939 Judenstern, 1/1941 Ghetto/Zwangsarbeitslager Skarzysko-Kamienna, 11/1943 Zwangsarbeitslager Tschenstochau (HASAG), 12/1944-15.4.1945 KZ Bergen-Belsen. Verloren wegen früherer Rücknahme.
Mit Beginn der Verfolgungsmaßnahmen in Skarzysko/Polen begann mein Leidensweg. Wir mussten bald den Judenstern tragen . Da ich ein kräftiges Mädel war, zog man mich sofort zur Zwangsarbeit heran. Ich musste Wäsche von den SS Männern waschen und Reinigungsarbeiten verrichten. Bald danach wurde das Ghetto errichtet und ich musste in den HASSAG Werken , einer Munitionsfabrik, arbeiten, Ich hatte hier Hülsen zu sortieren. Das Essen war sehr schlecht und ich musste 10 bis 12 Stunden täglich arbeiten. Oft wurde ich geschlagen, wenn ich meine Arbeit nicht schnell genug verrichtet wurde. Es passierte oft, dass man einige Fehler beim sortieren fand und dann wurden wir von einem SS Mann Hering selektiert wer zu erst geschlagen werden sollte. Mein Pech war es, dass ich die Erste in der Reihe war. Ich musste mich hinlegen und unter Schikanen wurde ich so am ganzen Körper zerschlagen – besonders am Kopf und am rechten Auge -, dass ich blutig zusammenbrach.
Murray S.
geboren am 10.6.1927 in Sosnowitz/Polen, Aussage von 1966
Biografie: 3/1940 Ghetto Sosnowitz, 3/1941 Zwangsarbeitslager Seibersdorf, 5/1942 Zwangsarbeitslager/Außenlager KZ Auschwitz Blechhammer, 1/1945 KZ Buchenwald #124906, KZ Buchenwald/Außenlager Langenstein-Zwieberge.
Vor Ausbruch der Verfolgungszeit lebte ich zusammen mit meinen Eltern und Geschwistern in Sosnowitz. Ich war ein kräftiger, gesunder Junge und besuchte die Volksschule. Ich kann mich nicht erinnern, jemals ärztliche Hilfe nötig gehabt zu haben. Mein Vater war Inhaber einer Wurstfabrik und eines Lebensmittelgeschäftes. Wir lebten in guten Verhältnissen.
Als die Nazis meine Heimat besetzten, begann mein Leidensweg. Man trieb mich in das Ghetto. Trotz meines zarten Alters musste ich Zwangsarbeiten verrichten. Wir litten sehr unter dem Hunger und den üblichen Entbehrungen
Im März 1941 verhaftete man mich und schleppte mich in das Zwangsarbeitslager Zeibersdorf. Ich hatte hier beim Eisenbahnbau zu arbeiten. Unsere Arbeitszeit betrug 12 Stunden täglich. Daneben mussten wir Zählappelle stehen. Unsere Verpflegung war miserabel. Unter diesen Umständen magerte ich schnell ab.
Im Juni 1942 schleppte man mich in das KZ Blechhammer. Hier hatte ich als Elektriker zu arbeiten, nebenbei trieb man mich noch zu Säuberungsarbeiten. Obgleich meine Arbeit einfacher war, wurde ich sehr schikaniert und oft geschlagen.. Mitunter trieb man mich Nachts zur Arbeit. Wenn irgendetwas nicht klappte, schlug man mich. Da man glaubte, ich sei physisch nicht ausgelastet, zog man mich noch zu Säuberungsarbeiten heran. Ich erkrankte an Fieber, Halsentzündung und Magenschmerzen. An ärztliche Hilfe war nicht zu denken.
Als sich die Front näherte, trieb man ich zu Fuß nach Groß Rosen. Auf diesem Vernichtungsmarsch kamen die meisten meiner Mithäftlinge um. Wir bekamen kaum etwas zu essen und mussten im Freien schlafen. Als ich Gross Rosen ankam, war ich einziges Wrack
Man trieb uns dann in Güterzüge und schleppte uns in das KZ Buchenwald. Hier waren wir nur kurz. Mussten nicht arbeiten, bekamen aber auch nichts zu essen
Dann trieb man uns nach Langenstein. Die Arbeit hier war sehr schwer. Da ich sie nicht bewältigen konnte, wurde ich oft geschlagen. Als ich einmal, vom Hunger getrieben, etwas Essen zu stehlen, lies man mich ohne Kleidung stundenlang im Freien stehen.
Marjan Savicki
geboren am 1 1.7.1907 in Dzialoszyce, Aussage um 1959
Biografie: 10/1939 Kattowitz, Judenstern; 11/1939 Flucht n. Krakau, Zwangsarbeit; 5/1940 Miechow; 4/1942 Zwangsarbeitslager Fliegerhorst Krakau; 7/1943 Zwangsarbeitslager Krakau-Plaszow; 16.10.1943 HASAG Tschenstochau; KZ Bergen-Belsen; 15.4.1945 Befreiung. 1946/1947 Displaced Person Camp Bergen-Belsen. Israel.
Im Laufe der Verfolgung war ich im Jahre 1943 im ZAL Plaszow arbeitete ich beim Steine hauen, beim Barackenbau und dergleichen schwersten Zwangsarbeiten. Ein Transport aus meiner Heimat fuhr durch Plaszow durch, und ich erfuhr, dass mein Vater und 2 Schwestern erschossen worden waren. Dies versetzte mir einen schweren Chock, und an Herzbeschwerden zu leiden. Außerdem begann ich für mein Laben zu fürchten, da mein Lagerkommandant Göth, oftmals bei der Arbeit vor unseren Augen Mithäftlinge erschoss.
Joe Schlesinger
geboren am 20.3.1922 in Breslau, Aussage um 1965 (Antragsdatum)
Biografie: 1939-1941 Zwangsarbeit Kielce; 1941-1942 Ghetto Kielce; 1942-9/1944 Zwangsarbeitslager Kielce Henrykow/Ludwigshütte, 9/1944 KZ Auschwitz; 9/1944-5.1.1945 KZ Auschwitz-Monowitz, Evakuierung ins KZ Auschwitz/Außenlager Gleiwitz am 6.1.1945, Flucht, 8.5.1945 Befreiung. USA
Mit der Besetzung meiner Heimatstadt durch die Deutschen begann mein Leidensweg. Von Anfang an wurde ich zu schwersten Zwangsarbeiten herangezogen. Ich war in Kielce im Ghetto und später in den Lagern Ludikoff und Henrykow inhaftiert (dies waren die Lager in Kielce). Unter elendsten Bedingungen mussten wir schuften. Wir erhielten kaum Essen hatten keinen Schutz gegen Witterungsunbillen und lebten auf engsten Raum zusammengepfercht. Schon in den Lagern wurde ich krank. Ich hatte staendige Dysenterien und schleppte mich oft mit Fieberkrankheiten zur Arbeit. Im August 1942 hat man meine geliebten Eltern, meine drei Schwestern und einen Bruder weggeschleppt und ich habe keinen mehr wiedergesehen. Dies war ein entsetzlicher Schock für mich. Ich zitterte ständig um mein Leben. Anfang des Jahres 1944, als ich noch in Kielce war, wurde ich eines Tages brutal misshandelt. Ich musste mit ansehen, wie ein SS-Mann willkürlich auf andere Mithäftlinge schoss. Da ich dies nicht mehr mit ansehen konnte, raste ich auf ihn zu und fiel ihn an. Natürlich konnte ich mich gegen hinzueilende Wachtposten nicht wehren.
Ich sollte damals sofort erschossen werden, aber dann änderte man meine Strafe, da ich aber als guter Arbeiter bekannt war, ab. Ich wurde lediglich bis zur Bewusstlosigkeit zusammengeschlagen. Von Kielce aus schleppte man mich dann in das KZ Lager Auschwitz. Hier wurde mir die Nummer B 3319 eintätowiert. Ich wurde als Elektriker in Monowitz beschäftigt. Worte reichen nicht aus, um zu beschreiben, was ich hier gelitten habe. Es gab keine Minute in der ich nicht zitterte, in die Gaskammern geschickt zu werden. Als Ende 1944 ein Wachtposten mit meiner Arbeit nicht zufrieden war, wurde ich von einem Wachtposten mit einem Stück Eisen auf die rechte Seite des Kopfes geschlagen. Mithäftlinge haben mir damals das Leben gerettet, indem sie mich in die Baracke zurücktrugen und bei der nächsten Selektierung versteckten.